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Lange bevor die Weinanbaugebiete ihre heutige Zuordnung erhielten, waren die „Rheinweine“ weltberühmt. Neben dem durch seine Adelshäuser bekannten Rheingau waren die Lagen an der Rheinterrasse um Nackenheim, Nierstein und Oppenheim das Herzstück der Rheinweine. Hier waren die Weingüter immer schon bürgerlich oder kirchlich geprägt und die Vorfahren des Weinguts Kühling-Gillot hatten erheblichen Anteil daran, dass der Deutsche Wein in der ganzen Welt Achtung genoss.
Heute arbeiten wir an einer Renaissance des Deutschen Weins und die Bedingungen waren noch nie so gut wie jetzt!
Der Verband der Deutschen Prädikatsweingüter hat eine Lagenklassifikation entwickelt, an deren Spitze die berühmten ERSTEN LAGEN stehen. Sie stehen auf derselben Stufe wie die Grand Crus aus dem Burgund. Wir sind stolz, insgesamt 6 dieser Ersten Lagen zu bewirtschaften. Sie sind das Beste, was Deutschland an Weinbergen zu bieten hat.
Um mehr über unsere ERSTEN LAGEN zu erfahren, klicken Sie bitte die rot abgesetzen Weinlagen an. Oder laden Sie sich unseren Lagenkatalog als pdf herunter. HIER.
Bodenheim Burgweg
Unsere „Hauslage“, die schon im Namen ihre Hangneigung zum Ausdruck bringt. Denn entgegen des ersten Eindrucks ist der Burgweg eine phonetische Umwandlung des Begriffs Bergweg. Dass diese Lage schon immer für Weinbau bestens geeignet war, unterstreicht die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1364.
Das Besondere am Burgweg ist sein hoher Kalkgehalt im Verbund mit einem eher leichten und sandigen Boden. Und da Burgunderreben warme Füße („pieds chauds“) brauchen, eignet sich der Burgweg perfekt für unseren Spätburgunder. Der anlehmige Sand hat die Eigenschaft, sich schnell zu erwärmen und die Trauben zu einer gleichmäßigen Reife zu führen. Der hohe Anteil gelösten Kalks gibt den Weinen den mineralischen Schliff und die ätherische Eleganz.
Unser Spätburgunder aus dem Bodenheimer Burgweg ist ein klassischer und eleganter Vertreter seiner Art. Die Aromen nach süßen dunklen Waldfrüchten paaren sich mit dem feinwürzigen Vanilleduft der französischen Barriques. Trotz der Aromenfeinheit besitzt der Wein ein ausgeprägtes mineralisches Gerüst, das auf den hohen Kalkanteil im Boden hinweist und den Wein fest und prägnant erscheinen lässt. The Gentlewoman of Pinot Noir!
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Nackenheim Rothenberg
Der Rothenberg liegt am nördlichen Ende des berühmten Roten Hangs. Durch die steile Hanglange und die Südost-Ost Ausrichtung profitieren die Trauben von der vollen Morgensonne, die zudem noch vom Rhein reflektiert wird. Die sich in der Nacht um die Trauben legende Feuchtigkeit kann so schnell abtrocknen und die Beeren bleiben lange bis in den November hinein gesund.
Unsere Gewanne im Rothenberg thront wie ein Adlerhorst auf der Hangspitze. Sie ist das steilste Stück im Rothenberg und trägt den Namen Kapellchen. Ähnlich einem burgundischen Clos ist sie durch eine Steinmauer eingefasst, die hier natürlich stützende Funktion hat.
Im Rothenberg ist der Name Programm: unsere Riesling-Reben wachsen auf einem rotschiefrigen Untergrund, der so weich und porös ist, dass die Wurzeln sich förmlich in die Schiefersteine fressen können. Es sind sicherlich einige der ältesten Riesling-Rebstöcke Deutschlands, die noch vor den Schutzgesetzen gegen die Reblaus-Katastrophe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gepflanzt wurden. Deswegen geben wir dem Wein die Bezeichnung „wurzelecht“.
Die uralten Rebstöcke mit ihrem minimalen Ertrag führen dazu, dass unser Rothenberg in der Jugend eher verschlossen und unnahbar erscheint. Mit ein wenig Flaschenreife offenbart er jedoch einen einzigartigen und fast spektakulären Aromenfächer: süße reife Marille, feinwürziges Stachelbeeraroma und ein zarter Ton nach frischen grünen Kräutern. Im Mund spielt der Wein mit einer Mischung aus reifer, schmeichelnder Cremigkeit und fordernder Mineralität, die den Mund restlos auskleidet. Dabei beginnt der Wein eine salzige Würze zu entwickeln und verweist auf die steinige Macht des rotschiefrigen Bodens. Unser Gänsehautwein!
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Nierstein Pettenthal
An den Rothenberg südlich anschließend liegt die Lage Pettenthal. Eigentlich gehen die beiden Lagen als Teil des Roten Hangs ineinander über, so dass Ausrichtung, Hangneigung und Bodenzusammensetzung fast identisch sind. Aller Voraussicht nach rührt der Name Pettenthal aus der Zeit, als die Weinberge noch in kirchlichem Besitz waren (Paters Tal = Tal der Mönche). Auch hier dominiert der rote Schieferton und rote Sandstein, das berühmte „Rotliegende“.
Das Pettenthal ist mit ca. 170 Metern etwas höher als der Rothenberg, und der Boden dadurch noch einen Tick karger, so dass die Reben sehr tief in dem weichen Stein wurzeln müssen, um an Nahrung und Mineralien zu gelangen. Je höher und steiler die Gewanne liegen, desto schwieriger sind die Lebensbedingungen für die Reben. Und das ist die Voraussetzung für große Weine.
Unsere Parzelle im Pettenthal ist mit mehr als 70% Neigung die steilste Weinbergsparzelle Rheinhessens. Zudem tritt das Felsband, das sich durch den gesamten Roten Hang zieht, hier am ausgeprägtesten an die Oberfläche. Die Humusschicht ist extrem dünn und Nährstoff für die Rebe nur tief im steinigen Boden zu finden. Mechanische Bewirtschaftung ist gänzlich unmöglich. Hier kann nur von Hand gearbeitet werden.
Die extremen Bedingungen, denen die Rebe im Pettenthal ausgesetzt ist, sind der Grund dafür, dass unser Riesling einen fast burgundischen Charakter hat. So lange der Boden ausreichend Nährstoffe liefert, können sich die Fruchtaromen, die so etwas wie der schöne Schein eines Weins sind, herausbilden. Im Pettenthal jedoch dominiert der Stein, der ganz andere Aromen in den Wein zaubert als die Frucht: Tabak, Würze, Wildheit. Ein feiner Ton nach weißen Mandeln durchzieht den Wein, der trotz seiner Wildheit verführerisch schmelzig am Gaumen ist und mit einem schier unendlichen Nachhall belohnt. Unsere Diva im Scheinwerferlicht!
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Nierstein Ölberg
Wie viele große Lagen, die seit Jahrhunderten für große Weine bekannt und berühmt sind, weist auch der Name Ölberg auf ein früheres Kloster und seinen biblischen Bezug hin. Dass die Weine aus dem Ölberg die mit der dichtesten Viskosität sind und der Anteil an ätherischen Ölen besonders hoch ist, hat die Namensgebung sicherlich unterstützt.
Im Roten Hang ist der Ölberg unsere südlichste Lage. Er verläuft im zentralen Bereich des Roten Hangs in Ost- West- Richtung als weit auslaufende Hauptlage und hat als einzige unserer Roten-Hang-Lagen volle Südexposition. Der Gesteinsboden ist stark zerklüftet und die Weinbergsarbeit mühsam. Unsere Gewanne hat eine Steigung von mehr als 60% und gilt als klassische Steillage.
Während im Rothenberg und Pettenthal die Felsbänder an die Oberfläche treten, ist der Boden im Ölberg poröser und durchlässiger. Der rote Tonschiefer wurde in den Jahrmillionen aufgerieben und hat quasi die Humusschicht ersetzt. Unsere nach Süden ausgerichtete Parzelle wirkt so wie ein idealer Wärmespeicher, in dem die Trauben ihre volle physiologische Reife gleichmäßig erreichen.
In unserem Riesling aus dem Ölberg halten sich die Frucht- und die Steinaromen perfekt die Waage. Die süße Frucht und die salzige Mineralität haben sich zu einer blühenden Sommerblumenwiese mit Anklängen an Honigmelone und Nektarinenzesten vermählt. Im Mund ist der Wein fast ölig, mit reifer Säure und einem feinen Nougatton. Der opulente Körper wird durch eine zarte mineralische Würze abgepuffert, die mit einiger Flaschenreife in den Vordergrund rückt. Unser distinguierter Edelmann: mehr Sein als Schein!
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Oppenheim Sackträger
Weiter südlich mit einem spektakulären Blick auf die Stadt Oppenheim und die Rheinbiegung liegt diese Paradelage. Noch immer steht am Fuß des Weinbergs als Teil der Oppenheimer Stadtmauer die Ruine des Turms der Sackträger, einer mittelalterlichen Zunft, die zu einer Zeit, als der Rhein noch mitten durch Oppenheim mäanderte, für die Entladung der Schiffe verantwortlich war. Sie gab der Lage ihren Namen.
Geformt wie ein Amphitheater staut sich hier die Tageshitze, so dass der Austrieb einige Tage früher im Jahr stattfindet, und sich die Reifung der Trauben sehr gleichmäßig vollzieht. Dieser Umstand, verbunden mit der eiszeitlich angewehten Lössauflage auf gewachsenem Kalkmergel, begünstigt die feine Fruchtaromenausbildung. Es sind Weine mit einer reifen Säure und cremigen Konsistenz.
Unser Riesling aus dem Sackträger spielt mit verführerischer Frucht, bleibt dabei aber stets nobel und kühl. Die reife Pfirsichfrucht wird von einem zarten Limettenton begleitet, was sich zu einem fruchtwürzigen Gesamteindruck verbindet. Die Kalkmergelunterlage gibt dem Wein die feste Struktur und führt zu einem fast körnig-mineralischen Mundeindruck. Trinkanimierende, sinnliche Schönheit: Caravaggios Jüngling mit Fruchtkorb!
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Oppenheim Kreuz
Unsere Parzelle liegt im Kernstück des Oppenheimer Kreuz' und der Boden hier ist geprägt von mächtigen Lössbänken, immer wieder durchsetzt mit Bruchstücken von Grobkalk und Muschelkalk. Die französischen Pinot-Noir-Klone ergeben hier einen intensiven und kräuterwürzigen Rotwein.
Das Oppenheimer Kreuz ist unsere Papstlage. Das hat folgende Bewandtnis: der 1999er Spätburgunder aus der Lage Oppenheimer Kreuz wurde Papst Benedikt als Messwein gereicht, was uns natürlich mit Stolz erfüllte. Seitdem sind die Rotweine aus dem Oppenheimer Kreuz unsere Papstweine. Sozusagen der Chateauneuf du Pape vom Rhein. Und da passt es natürlich auch, dass ein hohes Sandstein-Kreuz, das am Fuß des Weinberges steht, der Lage ihren Namen gab.
Der Spätburgunder kommt hier von den klassischen französischen Pinot-Noir-Klonen (Burgunderklon 667), die wir vor wenigen Jahren in die alten Rebstöcke aufgepfropft haben. Es waren Kerner-Rebstöcke und der Vorgang, Rotweinreben mit einer weißen Unterlage zu vermählen, unserer Kenntnis nach einmalig. Diverse Fernsehsender haben damals darüber berichtet.
Der Spätburgunder aus dem Oppenheimer Kreuz ist aber nicht nur deswegen einmalig. Ob es die Unterlage ist, der Boden, die Weinbergslage oder die französischen Klone – der tiefdunkel schimmernde Wein besitzt trotz der Mächtigkeit seines Körpers eine Frische und Finesse, die sich in völlig eigenständigen Aromen ausdrückt. In der Nase erinnert der Wein an eine südliche Kräuterwiese mit Noten nach Eukalyptus und Minze. Im Mund verbinden sich die ätherischen Aromen mit einer Mineralität, die an Salzlakritze und karamellisierten Kokos denken lässt. Dabei ist der Wein erfrischend kühl und scheinbar unendlich im Abgang. Schwert trifft auf Seide – irdische Kraft und ätherische Eleganz!
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