Man kann die Geschichte unseres Weinguts vor 35 Millionen Jahren beginnen lassen, als das Urmeer das heutige Mainzer Becken bedeckte. Man kann unsere Geschichte auch vor mehr als 200 Jahren beginnen lassen, als sich unsere Familie am Roten Hang niederließ und mit dem Weinbau begann. Und schließlich kann man die Geschichte unseres Weinguts auch mit meiner Hochzeit mit Hans-Oliver Spanier vom Weingut BattenfeldSpanier im Jahr 2006 beginnen lassen. Denn trotz Urmeer und Urgesteinsböden und langer Familientradition haben wir uns in den letzten Jahren radikal weiter entwickelt. Eine Metamorphose.
Ökologische Bewirtschaftung, biodynamische Elemente, natürliche Vergärung, langes Hefelager und große Holzfässer sind nur einige Stichpunkte unserer Veränderung. Mittlerweile gehören wir zu den besten und anerkanntesten Weingütern in Deutschland mit vier Trauben im Gault-Millau und unzähligen anderen Preisen und Auszeichnungen (u.a. 100-Besten-Liste im Handelsblatt/Vinum). Die Anerkennung, die uns zuteil wird, tut natürlich gut. Aber viel wichtiger ist uns, dass wir uns selbst und unsere Böden in unseren Weinen wieder erkennen. Authentizität ist unser Kompass.
Dass authentische Naturprodukte und eine anspruchsvolle Hochkultur sich nicht ausschließen, haben wir versucht, mit unserem Neubau auszudrücken. Dabei haben wir das traditionelle Gutshaus 2006 um einen modernen Kubus erweitert, der unserem Anspruch, Tradition und Moderne auf zeitgemäße Weise zu verbinden, entspricht. Zum einen steht die gemütlich-entspannende Atmosphäre unserer Lounge und Vinothek mit kräftigen Farben im Vordergrund, zum anderen spiegelt eine klare Formensprache unseren eigenen Anspruch an Wein wider: edel und zurückhaltend auf den Inhalt zu verweisen, der durch sich selbst überzeugen muss.
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Aber natürlich sind auch einige Dinge konstant geblieben. So sind seit Generationen die Frauen bei Kühling-Gillot federführend. Das hat sich bis heute nicht geändert. Im Jahr 2002 habe ich, Carolin Spanier-Gillot, die Leitung des Betriebs übernommen. Ich bin Önologin, zweifache Mutter, dazu Geschäftsfrau und ein leidenschaftlicher Naturmensch. Von allem am liebsten aber bin ich Gastgeberin. Auf unserem Weingut sollen sich die Menschen wohl fühlen und ich hoffe, dass wir dafür das passende Ambiente geschaffen haben.
Unsere Zeit ist schnelllebig und temporeich und lässt kaum Raum für die Langsamkeit des Werdens. Wir können und wollen auf unserem Weingut die Zeit nicht anhalten, aber wir können dem Gefühl des Verlusts der Zeit entgegenarbeiten. Das gilt natürlich am meisten auch für unsere Weine, denen wir Reife und ein ausgedehntes Fasslager gönnen. Dabei geht es nicht um den Verzicht auf moderne Technik oder auf die Annehmlichkeiten unserer Kultur, sondern vielmehr um den Reichtum der Sinne und großartige Weine, die diesen Reichtum transportieren können.
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